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21. Februar 2012 von

Lichtblicke im Kampf gegen Beschneidung

Pünktlich zum Welttag gegen Beschneidung gab es gute Nachrichten zu vermelden. Die Zahlen beschnittener Mädchen gehen zurück und in vielen Ländern lässt sich ein Bewusstseinswandel beobachten. Trotzdem stellt die genitale Beschneidung von Mädchen weiterhin ein ernstes Problem dar.

Doch warum ist die Beschneidung bei Mädchen eigentlich so gefährlich? Bei Jungen wird das schließlich auch gemacht! Und welche Konsequenzen müssen beschnittene Mädchen und Frauen tragen? Und gibt es eigentlich effektive Strategien, etwas gegen diese elementare Verletzung von Menschenrechten zu tun?

Was ist Beschneidung?

Die genitale Beschneidung betrifft etwa 3 Millionen Mädchen pro Jahr. Das allein ist schon eine unglaubliche Zahl, die zeigt, wie brisant dieses Thema weiterhin bleibt. Viel gewaltiger noch ist die Zahl aller beschnittenen Frauen auf der Welt. Sie liegt bei mehr als 100 Millionen! Bei der Beschneidung von Mädchen, die meist erst zwischen 4 und 10 Jahre alt sind, werden Teile der Vagina entfernt. Das passiert grundsätzlich ohne Betäubung und Desinfektionsmittel. Meist übernehmen diese Aufgabe ältere Frauen aus dem Dorf, so genannte Beschneiderinnen. Sie nutzen dazu Messer oder Rasierklingen. Man kann sich unschwer vorstellen, dass diese Prozedur höchst schmerzhaft und oft auch lebensbedrohlich ist. Es kann zu Blutvergiftungen, Infektionen (wie Hepatitis oder HIV), Tetanus und manchmal auch zum Tod kommen. Die Mädchen haben meist lebenslange Beschwerden dadurch, z.B. können später Komplikationen bei der Geburt von Kindern oder auch Unfruchtbarkeit auftreten.

Warum wird das eigentlich gemacht?

Die Beschneidung von Frauen und Mädchen ist tief in den Traditionen vieler afrikanischer Länder verankert. Jedoch hat sie keine wissenschaftliche Basis, das heißt, es gibt eigentlich nichts, das dafür spricht, eine solche Verstümmelung durchzuführen. Menschen, die das Beschneidungsritual gut und richtig finden, sehen das anders. Sie verbinden eine beschnittene Frau mit Reinheit und Fruchtbarkeit. Außerdem werden mit der Beschneidung die Heiratschancen eines Mädchens erhöht. Die genitale Beschneidung ist also in höchstem Maße gesellschaftlich erwünscht und Familien, die dieser Traditionen nicht folgen, werden aus der Gemeinschaft eines Dorfes ausgegrenzt. Viele Eltern sehen es daher als ihre “Pflicht” an, ihre Töchter ebenfalls beschneiden zu lassen. Der gesellschaftliche Druck und die Tradition sind so stark, dass sogar Frauen, die selbst beschnitten sind, die Beschneidung befürworten, obwohl sie wissen, wie schmerzhaft und gefährlich es ist!
Diese starken Traditionen können nur langsam – über Jahre hinweg – geändert werden.

Was wird dagegen unternommen?

Zuerst einmal ist es wichtig zu verstehen, warum Beschneidung bei Mädchen in vielen Ländern immer noch durchgeführt wird. Denn es bringt nichts, afrikanische Menschen mit gut gemeinten Tipps belehren zu wollen, ohne zu wissen, was dahinter steht. Das erzeugt nur Widerstand gegen einen Wandel und Beschneidung wird künftig erst recht nicht unterlassen. Kampagnen können nur dann erfolgreich sein, wenn sie nicht als Angriff auf die eigene Kultur verstanden werden.
Ein wichtiger Schritt ist daher, Menschen zu informieren und sie über die Konsequenzen und die gesundheitlichen Schäden einer Beschneidung aufzuklären. Bildung ist – wie so oft – der Schlüssel zu mehr Selbstbestimmung. Besonders Mädchen und junge Frauen, denen es oftmals an grundlegender Bildung fehlt, müssen durch diesen Weg angesprochen werden. Aber es geht auch um ganze Gemeinschaften. Ein Partnerprojekt von Unicef (Tostan), das im Senegal stattfindet, hat genau eine solche Initiative gestartet. Eine ganze Dorfgemeinschaft setzt sich über Jahre hinweg zusammen und diskutiert verschiedene Themen zu Gesundheit und Menschenrechten. Auf diesem Weg haben sich schon viele Dörfer letztendlich gegen eine weitere Beschneidung von Mädchen ausgesprochen!

Weiterhin viel zu tun!

Trotz einiger Fortschritte zeigt eine neue Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass die Prävalenzen (= wie häufig etwas vorkommt) vor allem in einigen Ländern Westafrikas weiterhin hoch sind. Zu diesen Ländern zählen Mauretanien, Burkina Faso, Gambia und Sierra Leone. Dort sind bis zu 94% aller Frauen beschnitten. Es gibt aber auch Länder wie Ghana oder Togo, wo es nur noch sehr wenige beschnittene Frauen gibt und wo die Menschen gegen eine Fortführung von weiblicher Beschneidung sind. Die Studie konnte weiter zeigen, dass Beschneidung vor allem unter Muslimen und in ärmeren Schichten mit weniger Bildung vorkommt. Studien wie die der WHO geben Aufschluss darüber, wo und bei wem mit Projekten gegen Beschneidung angesetzt werden muss.

Weitere Informationen gibt es auch hier.

Dieser Beitrag wurde am Dienstag, den 21. Februar 2012 um 09:47 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie AIDS, Allgemein, Bildung, Gesundheit, Kinderrechte angelegt. Die Kommentare zu diesen Beitrag können durch den RSS 2.0 Feed verfolgt werden.

2 Kommentare zu »Lichtblicke im Kampf gegen Beschneidung«

  1. Gaby Malsy

    Ein wirklich interessantes Thema und ein sehr guter Bericht dazu. Wie du hier schon schreibst, sollten eigentlich die “älteren” beschnittenen Frauen wissen wie es sich anfühlt. Eigentlich sollte man denken, dass im heutigen Zeitalter diese Frauen als “Aufklärerinnen” tätig sein sollten. Es gibt leider noch sehr viel zu tun auf dieser Welt, um allen Kindern eine gute Zukunft zu gestalten.

  2. Annette

    Gut, dass immer mehr über diese Verstümmelungen berichtet wird, und dass es Menschen gibt, die sich dagegen einsetzen! Einen ebenfalls wichtigen und aufklärenden Beitrag über die weibliche Beschneidung in Afrika habe ich hier gefunden: hausarbeiten.de/faecher/vorschau/102017.html#inside
    Ich hoffe, dass das zur Aufklärung mit beiträgt.

    Viele Grüße!

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