Unsere Reise nach Berlin zur Nationalen Konferenz für Kinderrechte

von  Christella Langen und  Niklas Zollinger

Niklas Zollinger (12) und ich, Christella Langen (14), bewarben sich im September für die Teilnahme an der Nationalen Konferenz für Kinderrechte. Wir wollten als UNICEF JuniorBotschafter daran teilnehmen.

Christella Langen und Niklas Zollinger in BerlinDie Nationale Konferenz besteht aus 32 Kindern und Jugendlichen und ebenso vielen Erwachsenen, die gemeinsam über die Verwirklichung der Kinderrechte in Deutschland diskutieren.

Die jungen Teilnehmer sind entweder in Jugendparlamenten oder Kindergruppen aktiv. Oder sie sind benachteiligt, weil sie eine Behinderung haben oder aus sozial schwierigen Verhältnissen kommen. Die Erwachsenen sind allesamt „Würdenträger“:  Politiker, Klinikdirektoren, Kinderschutzbundvorsitzende und so weiter. Eingeladen hatte die so genannte „National Coalition“, ein Verbund von Menschen, der sich die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonventionen zum Ziel gesetzt hat. Maßgeblich daran beteiligt ist der Kinderschutzbund. Diese Organisation hatte auch das Treffen organisiert. Wer den Namen „National Coalition“ erfunden hat, weiß ich nicht, aber ich finde ihn unpassend. Es geht doch hier mal nicht um die ganze Welt, sondern Deutschland wird unter die Lupe genommen. Da hätte ein deutscher Name für die Organisation gewählt werden sollen.

Am Donnerstagnachmittag kamen wir in Berlin an und wurden herzlich begrüßt. Im Cityhostel trafen wir gleich die anderen Teilnehmer, und wir beäugten uns neugierig. Noch am gleichen Tag gab es eine Vorstellungsrunde und gemeinsames Pizzaessen. Wir waren zum ersten Mal auf so einer Veranstaltung, wo wir zwar für UNICEF standen, aber damit die Einzigen waren. Erst kam es uns komisch vor, dass die Arbeit der UNICEF JuniorBotschafter gar kein Thema war und dass es so viele engagierte Jugendliche gibt, die speziell die Rechte deutscher Kinder einfordern. Hier ging es nicht ums Überleben der Kinder, nicht um Dürre und Hunger, Kinderarbeit oder Aids, sondern um Vernachlässigung, Gewalt in der Familie, schmutzige Spielplätze, Beteiligung an Entscheidungen, auch Misshandlung oder Kinderpornographie standen auf dem Programm. Im Vordergrund standen die Probleme der „Durchschnittskinder“, die sich andere Lehrpläne, mehr Freiräume, bessere Sportangebote, mehr Gehör bei der Stadt und ein bewussteres Umweltverhalten wünschten. Ein großes Thema war auch die Miteinbeziehung von behinderten Kindern im Alltag und in der Schule. Das lag sicher auch daran, dass Kinder aus diesen Problemfeldern bei der Konferenz waren.

Der Freitag war anstrengend. Wir konferierten den ganzen Tag. Es gab Arbeitsgruppen mit Kindern und Erwachsenen. Die Ergebnisse wurden abends den Betreuern und Gästen vorgestellt. Wir fanden es ziemlich cool, dass sich Erwachsene so ernsthaft und interessiert mit uns unterhielten. In den Arbeitsgruppen waren die Verhältnisse sehr ausgewogen. Es kamen sowohl Kinder als auch Erwachsene zu Wort. Die Erwachsenen waren da ein bisschen mehr die Zuhörer. Am Abend bei der Vorstellung der Ergebnisse und bei den Statements der Erwachsenen war es eher umgekehrt. Vielleicht lag es daran, dass viele erwachsene Gäste da waren und die Redner mehr zu ihnen, als zu den Kindern sprachen. Thema waren allerdings immer die Kinderrechte. Da liegt wohl noch manches im Argen in Deutschland. Vor allem die Flüchtlingskinder sind benachteiligt. Umweltschutz ist zu Recht auch ein großes Thema, denn die heutige erwachsene Generation darf nicht auf Kosten der Kinder Ressourcen verschwenden oder uns einen Schuldenberg hinterlassen.

Für kleinere Kinder war der Tag zu anstrengend. Die langweilten sich und machten Blödsinn. Manchmal war es mir peinlich, wenn ein Kind plötzlich das Mikrophon nahm und beabsichtigt nur Quatsch reinsagte. Da habe ich mich richtig geschämt. Ich fand, die Erwachsenen hätten das kritisieren sollen, aber ich glaube, kein Erwachsener hat sich getraut, auf dieser Konferenz über Kinder genervt zu sein. Das gab ein Missverhältnis. Die Jugendlichen konnten über die Erwachsenen „ablästern“, aber die Erwachsenen sagten nichts gegen das Benehmen von Kindern, wo sie das Recht  und die Pflicht dazu gehabt hätten. Andererseits sollte man als Organisator bei einer Kinderkonferenz die Bedingungen auch so machen, dass sie kindgerecht sind. Kinder sind ja keine kleinen Erwachsenen, auch wenn man sie mit Respekt und in würdigen Räumen wie dem alten Rathaus empfängt und wer kann sich schon einen ganzen Tag benehmen? Ich meine, einige Kinder waren ja erst 10 Jahre oder so. Auch Niklas und mir wurde es am Schluss zu lange, obwohl es dann schließlich, nach all den Reden, doch noch eine gute Hip-Hop Gruppe gab.

Ich habe mich gefreut, als mich einer kannte. Das war Herr Schneider von UNICEF. Das war ein gutes Gefühl, dass da auch ein Erwachsener von unserer Organisation dabei war. Und er war supernett.

Der Austausch mit den anderen Kindern war sehr gut. Mit einigen Mädchen mag ich mich wieder treffen. Niklas hat bis nachts mit ein paar Jungs Billard gespielt. Beim Spielen und Erzählen außerhalb der Sitzungen haben wir viel mehr übereinander erfahren als im Plenum und dann wurde das, was die anderen machen, auch erst richtig spannend, weil man sie eben kennen gelernt hat und Gefühle für sie entwickelt hat.

Am Samstag gab es den Abschlusskreis und eine Dampferfahrt. Eigentlich kann man jetzt auch auf eine andere Veranstaltung des Kinderschutzbundes gehen und auch weiter mit ihnen für die Kinderrechte in Deutschland kämpfen. Die Veranstaltungen sind aber meistens in Berlin und das ist schon sehr weit für uns. Außerdem können wir doch jetzt nicht noch für den Kinderschutzbund Sachen machen, wo wir uns für UNICEF entschieden haben, aber die beiden arbeiten ja zusammen und als UNICEFler bleiben wir dem Kinderschutzbund  verbunden.

Dieser Beitrag wurde am Monday, den 14. December 2009 um 12:49 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie JuniorBotschafter, Kinderrechte angelegt. Die Kommentare zu diesen Beitrag können durch den RSS 2.0 Feed verfolgt werden.

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