Goz Beida: Explosive Feier des 16. Junis 2009 im Ost-Tschad

CHD, Goz Beida, June 2009: A scheduled explosionNach vier Tagen in Goz Beida, fuer die Vorbereitung und Feier des „Tages des Afrikanischen Kindes“ in Vertriebenenkamps, Flüchtlingslagern und den umliegenden Gemeinden bin ich nun wieder in Abeche.

Das zentrale Thema des diesjährigen Festes war “Afrika fit für Kinder: Aufruf für eine beschleunigte Aktion fuer ihr Überleben.” Dementsprechend organisierten UNICEF und seine Partner-Organisation INTERSOS Aktivitäten rund um Gesundheit, Ernährung, Hygiene und Bildung als vorrangige Bereiche der UNICEF -Intervention und zentralen Themen für das Wohlbefinden von Kindern auf der ganzen Welt. Augrund  der jüngsten Ereignisse wurde jedoch ein zusätzliches Thema auf die Tagesordnung im Tschad gesetzt: Aufklärung über Minengefahren.

CHD, Goz Beida, June 2009: Since 2004 over 16,000 Sudanese refugees and more than 45,000 internally displaced have arrived in the surroundings of Goz BeidaIm Mai 2009 fanden(mal wieder)  heftige Kämpfe zwischen der tschadischen Armee und gegnerischen Rebellen Truppen statt. Letztendlich haben die staatlichen Truppen die Oberhand gewonnen, doch als sie das Schlachtfeld verliessen,haben die abziehenden Soldaten einfach alles stehen und liegen gelassen und ihre Ausrüstung in den Gebieten wo sie stationiert gewesen waren entsorgt. Bereits im Jahr 2008 war der Tschad unter den fünf Ländern mit dem höchsten Risiko von Landminen weltweit. Explosive Kampf Rückstände haben in 2007, 51 Personen getötet und 137 verwundet, im Vergleich zu 18 Getöteten und 86 Verletzten in 2008.        Da die letzten Kämpfe im Ost-Tschad stattfanden, haben  sie zu einem weiteren Anstieg von nicht explodierter Munition gefuehrt - mit tragischen Folgen:

Am 30. Mai 2009, fanden Souleymane und Ibrahima, tschadische Jungen im Alter von 13 und 14 Jahre,eine nicht explodierte Granate im Feld ihres Vaters und einer von beiden hob sie auf. Die Manipulation führte zu einer Explosion welche beide Jungen schwer verletzte. Sie wurden ins Krankenhaus von Goz Beida gebracht und eine Amputation schien die einzige Lösung zu sein, um das Leben der beiden Kinder zu retten. Beide Jungen würde ihre Beine verlieren. Trotz des sofortigen Eingriffes von UNICEF-Partner COOPI, starben die Kinder am selben Tag. Der genaue Grund für ihren Tod bleibt ungewiss da keine Autopsie gemacht wurde: War es ein post-traumatischer Schock, der Mangel an Blutkonserven (die Eltern der Jungen lehnten es ab Blut zu spenden mit der Begruendung dass es nutzlos sei Kinder am Leben zu erhalten die für den Rest ihres Daseisn verkrüppelt waeren..) Wir werden es nie erfahren. Eines ist aber sicher, ihr Tod war unnötig!

Als zentrale Anlaufstelle für die Aufklärung über Minengefahren organisiert UNICEF Sensibilisierungskampagnen auf kontinuierlicher Basis, um die Aufmerksamkeit von Kindern, Eltern und Lehrern auf die Gefahr von Explosiven Kampfrückständen hinzuweisen. Als Reaktion auf den Mai-Vorfall wurde am 1.Juni ein Massenkommunikations-Kampagne gestartet, in Vertriebenenlagern und den umliegenden Dörfern um Goz Beida. Um die Nachricht weitmoeglichst zu verbreiten wurden verschiedenste Wege benutzt, einschliesslich Face-to-Face-Kommunikation, Radio, Theater sowie Workshops in Schulen, Kindergärten, Moscheen und dem Wochenmarkt.

Die Tagesordnung des 16. Juni wurde demzufolge mit Diskussionsgruppen und einem Zeichenwettbewerb zum Thema: “Die Gefahr, die Explosive Kampf Rückstände für mich und meine Freunde dastellen” ergaenzt. Die Diskussionen wurden registriert und in Kombination mit Aufklärungsspots zur Minengefahr über das lokale Radio Internews in allen Vertriebenenkamps und 80 Prozent der Flüchtlingslager im ganzen Ost-Tschad ausgestrahlt. Parallel dazu hatte die Nichtregierungsorganisation Mine Advisory Group [MAG], einer der wichtigsten Partner von UNICEF im Kampf gegen die Gefahr von Explosiven Kampfrückständen den Morgen des 16. Junis zum Entsorgen von zwei Tonnen (!)nicht explodierter Kampfrückstände ausgesucht. Diese beachtliche Menge was innerhalb von zwei Wochen in der Umgebung von Goz Beida entdeckt und schadlos gemacht worden. Eine Granate kostet etwa 50 Euro, was dem Gehalt eines Gemeindelehrers waehrend  zwei Monaten entspricht oder der Immunisierung von 50 Kindern gegen Polio. Insgesamt war die Explosion des 16. Junis ca. 100.000 Euro wert, ein Betrag der für den Bau von 55 Schulen oder 20 Wasserpumpen gereicht haette. Es war eine Illustrierung von einer Seite der Kriegskosten

Jeder Unfall ist einer zu viel und traurig für UNICEF und seine Partner. Es sind jedoch auch erste Erfolge zu sehen. Einen Tag nach den Aktionen zum Tag des Afrikanischen Kindes, kam ein kleiner Junge, kaum zehn Jahre alt, in unser Büro in Goz Beida. Er klopfte zaghaft ans Tor und sagte er habe eine Granate hinter seinem Haus gefunden – ob UNICEF die bitte wegnehmen koenne !?  Dank der unermuedlichen Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen, werden diese nach und nach die Augen von UNICEF in den Dörfern und Lagern. Ihr Gefahrbewusstsein zu schulen ist der beste Weg die Quelle der Gefahr zu zerstören, bevor sie zerstoert. Es ist zu spät für Souleymane und Ibrahima, aber nicht für ihre Altersgenossen.
Aufklärung über Minengefahren ist von entscheidender Bedeutung in einem Land wie dem Tschad, das von Konflikt gepraegt ist. UNICEF benoetigt 36.000 Euros [den Gegenwert von 70 Granaten] für Minenaufklärung in 2009 - bisher ist kein einziger eingegangen.

Dieser Beitrag wurde am Wednesday, den 1. July 2009 um 11:52 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie Tschad angelegt. Die Kommentare zu diesen Beitrag können durch den RSS 2.0 Feed verfolgt werden.

Einen Kommentar schreiben