Weltkongress in Rio: Samba, Sonne und kreatives Durcheinander

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Das letzte Mal berichteten wir einen Tag bevor es los ging. Einen Tag bevor wir, Clara Landt und Anke Gratz, nach Rio de Janeiro zum 3. Weltkongress gegen kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen aufbrachen. Wir waren aufgeregt. Und zwar ziemlich.

Endlich saßen wir in dem Flugzeug, das mit uns nach Südamerika startete. Uns stand ein langer Nachtflug bevor, auf dem wir nochmals viel Zeit dafür hatten, uns Gedanken über die bevorstehenden Tage zu machen und unser Material zu sichten. Schließlich wollten wir gut vorbereitet in Rio ankommen. Als der Flieger endlich landete, gab es für uns kein Halten mehr: Endlich raus aus dem stickigen Flugzeug und hinein in die frische sonnig-warme Luft Brasiliens. Pustekuchen. 23° C und Regen. Nach der anstrengenden Reise packten wir erstmal aus und lernten unsere Zimmergenossin Grace aus London kennen.

Die Einführungsveranstaltung des Children‘s Forums, die am nächsten Morgen stattfand, ließ dennoch die Sonne aufgehen. Im großen Seminarsaal des Hotels tanzten 150 brasilianische und 150 andere Kinder und Jugendliche aus aller Welt zu brasilianischen Sambarhythmen. Man lernte sich schnell kennen. Auch wenn man sich nicht verstand, klappte die Kommunikation auch irgendwie mit Händen und Füßen. Die nächsten zwei Tage verbrachten wir mit den anderen Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren im Hotel und bereiteten uns auf den Weltkongress vor. Die Recommendations – also die Vorschläge – mussten geschrieben und in Reden für die Eröffnungszeremonie des eigentlichen Weltkongresses integriert werden. Wir versuchten uns irgendwie kennen zu lernen und Kontakte zu knüpfen – manchmal nicht ganz einfach, so ganz ohne Dolmetscher.

Als der Weltkongress nun endlich am Abend des 25. November 2008, im Beisein des brasilianischen Präsidenten Lula da Silva, der schwedischen Königen Silvia und anderen wichtigen Persönlichkeiten, feierlich eröffnet wurde, ging es erst richtig los. Die Teams, die wir gebildet hatten, begannen mit der Arbeit: Das Mediateam zeichnete den ganzen Weltkongress auf, das Drafting Committee trug die Forderungen (Recommendations) der Kinder und Jugendlichen zusammen. Hierfür hatten wir unser eigenes „Büro“ mit Kreativecke, Internetcafé und allem anderen was das jugendliche Herz begehrt.

Hier nun ein typischer Tag im Leben einer „congressista“, einer Kongressteilnehmerin:
Am Morgen hieß es zwischen 7 und 8 Uhr aufstehen und das herrliche Buffet im Frühstücksraum des Hotels stürmen – welches von frischen Mangos und anderen tropischen Früchten über Waffeln mit Schokosoße reichte. Ab 8 Uhr hielten regelmäßig mehrere Transportbusse vor dem Hotel um uns Jugendliche zum Kongresszentrum zu bringen. Dort angekommen konnte man ab 9 Uhr (nach südamerikanischer Gemütlichkeit aber meist später) an dem morgendlichen Panel teilnehmen, ein zweistündiger Vortrag verschiedener Landesvertreter/innen, die zu den unterschiedlichen Themenschwerpunkten die Situation und Arbeitsweise aus ihrem Land beschrieben.
Insgesamt gab es fünf zu behandelnde Themen währen des gesamten Kongresses: Es ging um die Formen von kommerzieller sexueller Ausbeutung, um Rechtssysteme, Strafmündigkeit, Verantwortung und Strafverfolgung, um die Rolle der Politik und der sozialen Verantwortung des privaten Sektors sowie die Strategien und Ziele der internationalen Zusammenarbeit.

An einem Kongresstag wurden jeweils zwei Themen intensiv besprochen. Danach ging es weiter zu den Workshops. Nach dem Mittagessen (stundenlanges Anstehen am Buffet, aber das brasilianische Essen war es wert!) und dem Nachmittagsthema haben wir oft einen Abstecher in unseren Raum gemacht, wo immer viele Jugendliche anzutreffen waren. Man kann es als farbenfrohes, kreatives Durcheinander beschreiben, wo jeder Teilnehmer seine Mitteilung an den Weltkongress loswerden konnte. Der zweite Durchlauf der Workshops begann meist gegen 16:30 Uhr und leitete gleichzeitig das Ende des Kongresstages um 18 Uhr ein. Dann, wenn schon die Füße schmerzten und man allmählich ziemlich kaputt war. Wieder holten uns die Busse ab und brachten uns ins Hotel. Der weitere Abend gestaltete sich für uns beide meist mit einem Arbeitsessen mit der deutschen Regierungsdelegation. Es war schön, auch mal wieder ein paar Worte auf Deutsch zu wechseln.

Trotz des anstrengenden Tagesablaufs sind wir sehr froh, dass wir an diesem Weltkongress als Jugendliche teilnehmen durften. Wir haben viele interessante Menschen getroffen, andere Sitten kennen gelernt und erfahren, was es heißt, an einem Kongress teilzunehmen. Die Brasilianer sind sehr gastfreundlich und halfen uns über viele Sprachbarrieren hinweg. Langweilig wurde es nie. Schade war, dass trotz der guten Planung Vorträge manchmal viel später als angesetzt stattfanden und wir oft nicht wussten, was als nächstes kommen sollte. Die Folge davon war, dass das entscheidende ‘Outcome Document’ – das Dokument, auf dem alle Forderungen der Kongressteilnehmer an die Regierungen aufgeführt sind - nicht rechtzeitig zur Abschlusszeremonie fertig war. Beim nächsten Kongress sollten die Veranstalter den Kindern und Jugendlichen dafür mehr Zeit lassen. Insgesamt finden wir aber, dass ein gutes Arbeitsergebnis entstanden ist.

Clara Landt und Anke Gratz, Teilnehmerinnen des 3. Weltkongresses gegen Kommerzielle Sexuelle Ausbeutung in Rio de Janeiro, Brasilien.

Dieser Beitrag wurde am Wednesday, den 21. January 2009 um 11:52 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie Allgemein, Kinderrechte angelegt. Die Kommentare zu diesen Beitrag können durch den RSS 2.0 Feed verfolgt werden.

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