2 Wochen sind seit dem Gipfel vergangen und noch immer fühle ich mich immer nicht so ganz zu hause. Oft habe ich das Gefühl irgendwie ein bisschen deplaziert zu sein, eigentlich wo anders hin zu gehören. Ich will zurück, zurück nach Chitose, zurück zur J8 Community. Mir fehlen die Anderen, mir fehlt das Gefühl der starken Gemeinschaft, die mich umschließt. Sich bei Facebook oder MSN zu schreiben ist ohne Zweifel nett aber mit der direkten Nähe auf dem Summit ist es nicht zu vergleichen. Man sieht sich bis zu 20 Stunden am Tag, man fühlt sich verstanden, man hat ein gemeinsames Ziel, für das man lebt.
Auch das Deutsche Team hat sich erst einmal zerstreut. Alex tourt mit seiner Band und bereitet sich auf seinen Schulwechsel nach Salem vor. Jasmin macht mit ihrer Familie Urlaub in Kroatien und ist mit ihren Gedanken schon in Manchester, wo sie ihr nächstes Jahr verbringen wird.
Um aus dem Resignationsloch raus zukommen haben Julika und ich uns direkt in das nächste Projekt gestürzt. Wir nehmen an einer ganztägigen Drama Summerschool in Bonn teil, spinnen Pläne über eine neue Aktion zum Thema HIV/Aids, schreiben an Schülerzeitungsartikeln, betreiben Follow-up und fallen dann spätnachts todmüde in unsere Betten. Die Arbeit hält mich vom grübeln ab, doch wenn ich träume läst die Wirkung nach und so viele Erinnerungen drängen sich in mein Bewusstsein.
Ich muss daran denken, wie wir an unserem Umweltschutz- Projekt gearbeitet haben, die Idee entwickelt, die Flyer verteilt haben, die Stunden in unserer aller ersten Klasse, die Osterferien durch haben wir an der Auswertung und Gestaltung gesessen. Dann die Nachricht, dass wir gewonnen haben. Diese unglaubliche Freude und anschließende Beklommenheit. Erste Interviews. Zuversicht. Angst. Dann das Prep-weekend in Leipzig. Und schließlich der J8 Gipfel in Japan, alle gemachten Erfahrungen und all diese Menschen, neue Freunde, fremde Kulturen…
Ich habe mich in dieser Zeit weiterentwickelt, wir alle haben uns verändert. Vorurteile von denen ich nicht mal wusste, dass ich sie habe, haben sich in aufgelöst. Ich sehe manche Dinge einfach grundlegend anders als noch vor wenigen Wochen. Mein eigener persönlicher Standpunkt ist mir selbst viel klarer geworden, hat sich mehr und mehr aus allen fremden Informationen, Ideen und Erwartungen herauskristallisiert. Ich traue mir selbst mehr zu als früher, bin selbstbewusster und motivierter geworden. Ich habe das Gefühl, jetzt zu wissen warum ich mich eigentlich engagiere. Es ist noch nicht vorbei. Diese 11 Tage haben mich für mein Leben lang geprägt.
von Nora Zech
Dieser Beitrag wurde am Wednesday, den 30. July 2008 um 13:45 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie Junior8 angelegt. Die Kommentare zu diesen Beitrag können durch den RSS 2.0 Feed verfolgt werden.
