AIDS-Aufklärung in Aceh

Nach Schulschluss haben die Mädchen die Moeglichkeit, sich ueber AIDS zu informieren. Foto: UNICEF / Anna StechertAIDS ist ein Tabuthema in Aceh, der einzigen Provinz Indonesiens, in der das strenge islamische Sharia-Gesetz gilt. Kaum, dass AIDS in den Nachrichten erwaehnt wird - auch im Biologieunterricht wird das Thema grundsaetzlich vermieden. Zu Hause wird AIDS nicht diskutiert. Als Konsequenz haben Jugendliche keine Moeglichkeit, sich zu informieren. Dabei gibt es Faelle von HIV in Aceh; 6 Faelle sagt das Gesundheitsministerium. UNICEF vermutet, dass die wirkliche Zahl viel hoeher liegt.

Umso toller finde ich die Arbeit von Yakita, einer indonesischen Partnerorganisation von UNICEF. Yakita ist seit dem Tsunami hier in Aceh aktiv und besteht hauptsaechlich aus jungen, hoch motivierten Leuten. Unermuedlich versucht Yakita im schwierigen hoch religioesen Umfeld, Jugendliche ueber AIDS aufzuklaeren – mit der Unterstuetzung von UNICEF.

Heute habe ich endlich einmal Zeit, mir die Arbeit von Yakita vor Ort anzuschauen. Als ich in der Junior High School 13 in Banda Aceh amkomme, ist die besondere Schulstunde schon in vollem Gange.

30 Siebt-Klaesslerinnen sind heute nachmittag gekommen, nach Schulschluss, um sich ueber HIV/AIDS zu informieren. Sri, eine Helferin von Yakita, steht vor der Tafel, auf der sie gross “HIV/AIDS kann uns alle treffen” geschrieben hat. Gerade einmal 23 Jahre ist sie alt, voller Energie erzaehlt sie von der Geschichte des Virus, Wege der Uebertragung, und – besonders wichtig – wie man Ansteckung vermeiden kann.

Sri, eine Helferin von Yakita, klaert junge Frauen ueber AIDS auf. Foto:UNICEF / Anna StechertSie macht das locker, mit Humor. Ich kann sehen, dass sie bei den Maedels gut ankommt. Die Klasse ist neugierig, sie stellt viele Fragen. “Wie lange ueberlebt das Virus an der Luft?” “Was mache ich, wenn das Kondom zu gross ist?” “Wie ist es, mit HIV zu leben?”
Geduldig beantwortet Sri die Fragen.

Alle Schueler haben einen Vor-Test gemacht, jetzt machen sie den gleichen Test nochmal, damit Sri schauen kann, ob die Maedchen etwas gelernt haben. Sie wird dann das Ergebnis und eine Zusammenfassung der behandelten Themen an ihre Chefin bei Yakita und an UNICEF weiterleiten. “Normalerweise”, erklaert mir Sri spaeter, “geht die Anzahl der richtigen Antworten steil nach oben.”

In mehr als 100 Schulen ist Yakita aktiv. “Wir fragen die Schulleiter, ob wir eine Nachmittagsstunde halten duerfen, und die Lehrer informieren dann ihre Schueler. Manchmal gibt es auch Restriktionen – zum Beispiel duerfen wir nie fuer die Benutzung von Kondomen werben oder gar Kondome verteilen, weil das als Zustimmung zu Sex vor der Ehe (ein schweres Verbot unter dem Sharia-Gesetz) verstanden werden koennte”, erklaert Sri. “Aber wenn wir gefragt werden, duerfen wir ueber Kondome sprechen.”

In den drei Jahren nach dem Tsunami hat Yakita nach eigenen Angaben bereits mehr als 10.000 Schueler ueber AIDS informieren koennen. Und die Nachfrage steigt. “Mehr und mehr Schulen bitten uns, wieder zu kommen und mehrere Stunden abzuhalten”, sagt Sri. Ausser in Schulen ist Yakita auch auf den Strassen und in Jugendzentren, an Straenden und in anderen Treffpunkten der Teenager unterwegs, um so moeglich viele Kids zu erreichen.

Nach der Stunde unterhalte ich mich mit Ghina, 13. Sie war mir aufgefallen, weil sie besonders viel mitgemacht hat. “Ich bin heute hier, weil ich AIDS ein sehr wichtiges Thema finde und mehr darueber wissen will.” Ihren Eltern hat sie allerdings nicht erzaehlt, dass sie heute hier ist. Sie lacht verlegen, als ich sie frage, warum, antwortet aber nicht.

Die Stunde fand sie gut, sagt sie. “Ich habe vor allem verstanden, dass viele Geruechte ueber AIDS totaler Bloedsinn sind. Und ich habe verstanden, dass AIDS alle angeht.” Als naechstes wolle sie ihren ganzen Freunden die neusten Infos berichten. Vielleicht, so hoffe ich, steht mit Gina eine baldige neue Yakita-Unterstuetzerin vor mir.

Dieser Beitrag wurde am Friday, den 7. March 2008 um 09:02 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie Allgemein angelegt. Die Kommentare zu diesen Beitrag können durch den RSS 2.0 Feed verfolgt werden.

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