Hiermit wie versprochen also ein Update der Situation – aus Yaounde (Kamerun). Am Montag, den 4. Februar, wurde ein Grossteil des internationalen humanitaeren Personales nach Kamerun evakuiert - mich einschliesslich. Nur sieben UNICEF-Mitarbeiter sind im Tschad geblieben, davon vier in Abeche.
Momentan ist die Lage im Land ruhig – aber es bleibt noch abzusehen, ob dies von Dauer ist. Das UNICEF-Buero in Ndjamena war in den letzten Tagen von der nationalen Armee besetzt – somit war das ganze lokale Computersystem “out of order”. Zumindest das klappt jetzt wieder … Das Buero ist geraeumt, und der Schaden ist weit geringer als gedacht – ein Schritt in Richtung Normalitaet? Nach einer etwas chaotischen Evakuierungsaktion von Abeche nach Yaounde - in einem grossen UNO-Flugzeug mit Militaerdesign - sind wir nun in der Hauptstadt von Kamerun und soweit ist alles ok.
Davon abgesehen jedenfalls, dass niemand weiss, was als naechstes geschieht: wann wir wieder zurueck und an die Arbeit koennen. Alle humanitaeren Aktivitaeten im Tschad sind auf Sparflamme.
Ueber 50 000 Tschadier haben den Fluss ueberquert, der den Tschad bzw. die Grenzstadt Ndjamena von Kamerun und der Grenzstadt Koussiri trennt. Mit dem Wenigen, das sie mit sich fuehren konnten, leben die Fluechtlinge nun in naher Nachbarschaft zu ihrer Heimat und harren der Dinge … Sie suchen Unterschlupf in Kirchen, Schulen oder campieren unter freiem Himmel. Ohne Schutz gegen gluehende Sonne, Wind und Staub. Nur wenige sind bislang dem Aufruf der tschadischen Regierung zur Rueckkehr in ihre Heimat gefolgt. Zu gross ist die Angst, dass das Kaempfen weitergeht.
Seit der Ankunft der ersten Fluechtlinge ist UNICEF zusammen mit WFP (World Food Programme - Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen) und UNHCR (Fluechtlingshilfswerk der Vereinten Nationen) vor Ort, um zu sehen was benoetigt wird. Alle Maschinen laufen momentan auf Hochtouren, um so schnell als irgendmoeglich Unterstuetzung in Form von Decken, therapeutischer Nahrung, Trinkwasser und Impfmitteln zu den Menschen zu bringen. Vor allem Impfungen – gegen Masern, Meningitis und Kinderlaehmung – sind lebenswichtig in Anbetracht der Gefahr von Krankheiten, wenn so viele Leute so dicht gedraengt leben. Ein Team der beiden UNICEF-Bueros Tschad und Kamerun ist an vorderster Front, in Koussiri, um zu sehen, was wie getan werden kann – das alles im absoluten Eiltempo!
Dieser Beitrag wurde am Saturday, den 9. February 2008 um 08:43 Uhr veröffentlicht und unter der Kategorie Allgemein angelegt. Die Kommentare zu diesen Beitrag können durch den RSS 2.0 Feed verfolgt werden.
